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Workshop 24.09.2014: Frankfurter Programm Würde im Alter – Statement Gesche Oppermann

Workshop 24.09.2014: Frankfurter Programm Würde im Alter – Statement Gesche Oppermann

Bild oben:  Statements von Gesche Oppermann, Iris Schroll und Doris Pogantke im Rahmen des Workshops „Frankfurter Programm Würde im Alter“, 24.09.2014

 

2001 startete das Frankfurter Programm Würde im Alter unter dem Namen „Sofortprojekt zur Verbesserung der Psychosozialen Betreuung demenziell Erkrankter in den Heimen“.

Seitdem haben sich die Heime entwickelt. Eine ressourcenorientierte und biografisch ausgerichtete Tagesstruktur in kleinen Wohngruppen sorgt heute in den Frankfurter Heimen für eine sinnvolle, biografisch ausgerichtete Tagesstruktur. Demenziell erkrankte Menschen erhalten Sicherheit, ein Daheim-Gefühl und Orientierungsmöglichkeiten. Die Organisation nimmt sich zurück, gefördert wird die Individualität des einzelnen Bewohners. Dieser Organisationsentwicklungsprozess, der alle Arbeitsbereiche in den Heimen bis heute umfasst, die Millieugestaltung und die notwendigen Schulungen waren und sind möglich Dank der Unterstützung des Frankfurter Programmes Würde im Alter.

Unsere Rahmenbedingungen verändern sich kontinuierlich:
Die Verweildauer in den Heimen nimmt stetig ab. Im Jahr 2013 war in unserem Haus – statistisch gesehen – jeder Pflegeplatz nahezu zweimal belegt (216 Klienten, 114 Plätze im Haus). Gleichzeitig steigt der Anteil hochaltriger Bewohner. 2013 waren drei Viertel der Bewohner unserer Einrichtung 80 Jahre und älter. Fast ein Drittel von ihnen bewegte sich sogar in der Altersspanne zwischen 90 und 104 Jahren (69 von 216 = 32 %). Die für alles dankbaren Bewohner sterben aus und es kommen Menschen mit veränderten Ansprüchen. Auch die Erwartungen der Angehörigen und die Forderungen der Kostenträger unterliegen dem Wandel. Mit der Hochaltrigkeit unserer Bewohner geht einher, dass wir immer häufiger Menschen mit schweren demenziellen und psychiatrischen Erkrankungen sowie Personen mit herausforderndem Verhalten betreuen.

Daher entwickeln wir uns weiter.
Mit Unterstützung des Programms Würde im Alter qualifizieren wir unsere Mitarbeiter, betreiben permanent die Weiterentwicklung unserer Organisation und sind froh über zusätzliche personelle Ressourcen für unsere Arbeit.

Gesche Oppermann, Caritaszentrum Santa Teresa

Bild oben: Gesche Oppermann, Caritaszentrum Santa Teresa

Konkret tun wir Folgendes:

  • Wir schulen unsere Pflegekräfte nach dem Aktivitas®-Pflegekonzept. Es vermittelt Pflegetechniken zur Wahrnehmungs- und Mobilitätsförderung, die insbesondere für die immobilen und schwerstpflegebedürftigen Menschen geeignet sind. Diese Techniken lassen sich bei grundpflegerischen Tätigkeiten anwenden. Sie ermöglichen in der Praxis eine gute Aktivierung besonders Schwerstpflegebedürftiger.
  • Mit Unterstützung von Frau Weitzel vom Bürgerinstitut und unserer seelsorglichen Mitarbeiterin arbeiten wir kontinuierlich am Thema Sterbebegleitung. So suchen wir, die Wünsche demenziell erkrankter Menschen in der Sterbephase zu erkennen und suchen diese zu berücksichtigen. Es geht auch hier immer um den Praxisbezug.
  • Nach vielen Jahren guter Erfahrungen mit einer Hundebesuchsgruppe haben wir uns in diesem Sommer einen „Diensthund“ besorgt, den Dackelwelpen „Curt von Altentann“. Momentan wird Curt noch erzogen. Eine Hundetrainerin wird dafür in unser Heim kommen. Curt ist jetzt schon täglich im Haus unterwegs und wird künftig Bewohner auch in den Zimmern besuchen. Mit Curts Dackelblick versuchen wir nicht nur immobile Menschen zu erreichen, sondern auch jene, die sich zurückziehen und sich anderen Angeboten verschließen.
  • Wir haben dank der Mittel von „Würde im Alter“ gelernt, die Sexualität demenziell erkrankten Menschen stärker als Lebensinteresse wahrzunehmen und damit offen umzugehen. Dieses Thema soll primär nicht mehr als Störfaktor aufgefasst werden.
  • Immer mehr Bewohner, die ein starkes herausforderndes Verhalten äußern – teilweise mit Selbst- und Fremdgefährdung – stellen uns vor immer neue Aufgaben. Spezielle Fortbildungen, die helfen mit besonders schwierigen Situationen konstruktiv umzugehen, werden daher von den Mitarbeitern gerne angenommen. Einige Bewohner mit herausfordernden Verhaltensweisen benötigen intensive Einzelbetreuung. Ohne diese Maßnahme würde ihre Unruhe – sie äußert etwa durch anhaltendes Schreien – für alle Mitbewohner einer Wohngruppe zu einer hohen Belastung. Daher muss herausgestellt werden, dass uns hier das Programm Würde im Alter hilft, einen Teil dieser Einzelbetreuung in unserem segregativen Wohnbereich zusätzlich erbringen können.

Vieles von dem wäre ohne das Programm Würde im Alter nicht möglich gewesen.



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