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Wie ein Dorf mitten im Stadtteil

Wie ein Dorf mitten im Stadtteil

25 Jahre Pflegeheim Bockenheim in Frankfurt Main

Das 25-jährige Bestehen des Pflegeheims mitten im Frankfurter Stadtteil Bockenheim sollte eigentlich im Frühling 2016 gefeiert werden, da es im April 1991 eröffnet worden war. Aber der Termin sei stets verschoben worden, erzählt Liane Junker, die das Haus seit 2002 leitet. Anfang der 90er Jahre sei es die modernste Pflegeeinrichtung der Mainmetropole gewesen, weil es für die Bewohnerinnen und Bewohner Wohngruppen mit je eigener Wohnküche bereitstellte – damals etwas völlig Neues.

Am 5. September 2016 startete schließlich ein fulminantes Jubiläumsfest. Fulminant deswegen, weil Menschen zusammen kamen, die sich zum Großteil schon Jahre und Jahrzehnte an diesem Ort treffen, entweder weil sie dort Angehörige haben oder als Ehrenamtliche, Essensgäste und gar als Pfarrer dem Pflegeheim sehr eng verbunden sind. Berührungsängste und Distanz konnten erst gar nicht aufkommen, zumal sich alle aufs Feiern freuten. Geschäftsführer Frédéric Lauscher, Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe e. V., zu dem das Haus gehört, hieß die Festgäste herzlich willkommen.

Bild oben: Pflegeheim Bockenheim mitten im Stadtteil Bockenheim gelegen

 

Die musikalische Begleitung drinnen sowie draußen habe bei sommerlich warmen Temperaturen für eine wunderbare Stimmung gesorgt, schwärmt die Hausleiterin. Bewusst sollten die im Haus lebenden Menschen und die Mitarbeiter miteinander ganz entspannt feiern, was auch gelungen sei. “Der am längsten hier lebende Bewohner zog 2004 ein und andere sind auch schon zehn Jahre da.” Sie alle wurden geehrt, aber auch all jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die schon seit Eröffnung 1991 ihnen Dienst im Haus versehen. Dazu zählen drei Personen aus der Pflege und sechs aus der Hauswirtschaft. Sie erhielten Geschenke und eine Würdigung für ihren Einsatz.

Auch der Friseursalon im Gebäude besteht seit Hausgründung und die erste Hausleiterin, Annemarie Czerwinski, ist dort bis heute Kundin. Der katholische Pfarrer Beffart – Urgestein des Hauses – sei von Anfang an dabei, hob Liane Junker hervor. Er habe ehedem zugesagt, über seine Verrentung hinaus dem Pflegeheim treu zu bleiben, um die geistliche Begleitung zu gewährleisten. So sorge der 82-jährige Priester bis heute für Krankensalbungen oder begleite Menschen bei Beerdigungen. “Seit 25 Jahren hält er regelmäßig alle 14 Tage einen katholischen Gottesdienst für unsere Hausbewohner.“

Was für eine Lebensbegleitung durch konstante Bezüge und Beziehungen für Menschen, die im Haus der Zuwendung, Betreuung und Pflege bedürfen. Der evangelischen Pfarrer Kohl halte ebenfalls von Beginn an die Treue zu den Menschen im Pflegeheim Bockenheim. Und seit 10 Jahren sei auch die freie Kirchengemeinde dabei.

Bei fortgeschrittener Feierstunde, berichtet Junker, hätten eine Klavierspielerin und ein Geigenspieler die Festgemeinde dergestalt begleitet, dass sich die Gespräche zu einem Höhepunkt hinbewegten, der sich spontan ereignete. Eine ehemalige Sängerin, die 25 Jahre in Bayreuth engagiert war und seit einem Jahr das Pflegeheim besucht, habe sich so von dieser Stimmung einfangen lassen, dass sie Notenblätter hervorzog und Lieder von Verdi abschließend zum Besten gab. „Ein unerwartet schönes Erlebnis.“ Zu wünschen bleibt, dass das Haus die kommenden 25 Jahre durch die Begleitung vieler Stadtteilbewohner ein “Dorf mitten im Stadtteil ” bleiben möge.

 

Text: Beate Glinski-Krause



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