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Vor einem Jahrzehnt wurde alles anders

Vor einem Jahrzehnt wurde alles anders

Am 8. Oktober 2014 erinnerten die Verantwortlichen der Diakoniestation Frankfurt am Main gGmbH daran, dass ihre einzelnen ambulanten Pflegedienste – vormals elf, später dann noch sechs an der Zahl und in den Stadtteilen Frankfurts verteilt – vor zehn Jahren zusammengeführt wurden.
 
Bild oben: Geschäftsführer Helmut Ulrich während der Jubiläumsrede. Foto: Beate Glinski-Krause

 

Ein langer Weg in eine neue Zeit der ambulanten Pflege

Heute ist alles vereint am Standort „Diakoniestation Frankfurt“ in der Battonnstraße auf einem Gelände, das einst das Eichamt der Stadt beherbergte. Durch diese mutige Entscheidung, so Geschäftsführer Helmut Ulrich, sei diese große ambulante Pflegestation zukunftssicher geworden und man habe durch die Bündelung auch betriebswirtschaftliche Verbesserungen und mehr Kommunikation miteinander erzielt. Überhaupt dahin zu kommen, sei ein langer und auch schwieriger Weg gewesen. Für diese tief greifende Reorganisation und die neuen Anforderungen an die Pflegequalität habe das Personal überzeugt werden müssen. Er sei heute sehr stolz darüber, so der Redner, dass in der Diakoniestation hoch motiviertes und qualifiziertes Pflegepersonal tätig sei. Rund 50 Pflegende arbeiteten derzeit für durchschnittlich 450 Menschen mit Pflegebedarf im häuslichen Umfeld.

 

Ambulante Pflege – ein viel gewünschtes Pflegesetting

Von den Mühen der Ebene berichtet Pflegedienstleiterin Daniela Höfler-Greiner. Sie erzählte, was es heißt, unterschiedliche Pflegebüroausstattungen aus den Stadtteilen in einem Standort zu einem Ganzen zusammenzuführen. Noch viel schwieriger sei es gewesen, die unterschiedlichen Arbeitsabläufe der zuvor solitären Pflegedienste zu einem zu machen. Das alles sei in einem Zeitraum von Anfang bis Mitte 2004 über die Bühne gegangen. Und nicht nur das, denn gleichzeitig sei auch die Versorgung der zu betreuenden Menschen sichergestellt worden. „Das war eine wichtige Erkenntnis in dieser Zeit gewesen“, so die Leiterin. Heute arbeite man mit mobiler Datenerfassung, verfüge über ein verlässliches Abrechnungssystem und eine 2009 eingeführte Software habe den gesamten Pflegedienst insgesamt gut nach vorne gebracht. Hauptproblem aber sei, dass man nicht über genügend Pflegepersonal verfüge. „Wir bekommen nicht alle die Mitarbeiter, die wir benötigen!“

 

Häuslichkeit wird zum dritten Gesundheitsstandort

Prof. Dr. Julia Lademann, von der Frankfurt University of Applied Sciences, präsentierte vergleichende Zahlen über die ambulante Pflege, die private häusliche Pflege und die stationäre Pflege in Heimen. Sie forderte mehr Innovation und Professionalisierung für die ambulante Fachpflege.

Ferner führte sie aus, dass drei Prozent der Bundesbürger – 2,5 Mio. Menschen – 2014 nach dem Pflegeversicherungsgesetz pflegebedürftig gewesen seien. 1,76 Mio. von ihnen seien privat zuhause versorgt worden. Wiederum ein Drittel davon – rund 587.000 Personen – hätte ambulante Pflegedienste in Anspruch genommen. In den Heimen lebten derzeit 0,74 Mio. Menschen und würden von über 0,6 Mio. Beschäftigten versorgt, wo hingegen die ambulante Pflege über 0,3 Mio. Mitarbeiter verfüge. Von diesen hätten ein Prozent einen Hochschulabschluss, 70 Prozent kämen aus dem Gesundheitswesen. Es werde enorm viel in Teilzeit gearbeitet. Darüber hätten sich die Anforderungen des ambulanten Pflege- und Informationsbedarfs neu formiert, die aber seitens der Pflegeversicherung nicht bezahlt würden.

Die Pflegenden müssten z. B. die Angehören in komplexen Pflegeabläufen anleiten, um sie für eine qualitative Betreuung zu Hause zu befähigen. Eine Aufgabe, die pädagogisches Vermittlungsgeschick erfordert. Diese Problematik zeige, dass die ambulante Pflege keine genügende politische Durchsetzungskraft besitze. Das sei auch dem geschuldet, dass die Dienste permanent ihr Überleben sichern müssten und daher wenig Engagement darüber hinaus erbracht werde.

Da der Grundsatz der Pflegeversicherung „ambulant vor stationär“ laute, bestünden nun im Rahmen der Pflegeversicherungsreform neue Möglichkeiten im ambulanten Pflegebereich. Sie empfahl, informelle Netzwerke der ambulanten Pflege aufzubauen, um mit gebündelter Kraft politisch und fachlich zu punkten.

 

Weiter Informationen über die Diakoniestation in Frankfurt erhalten Sie unter

http://www.diakoniestation-frankfurt.de

 

Text: Beate Glinski-Krause

 



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