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Unermessliche Tragödie des Holocausts

Unermessliche Tragödie des Holocausts

Für den 27. Januar 2015 – 70 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee – lud die Henry und Emma Budge-Stiftung zum Gedenktag für die Opfer ein. Das Pflegeheim mit Wohnanlage, in dem jüdische und christliche Bewohner im Frankfurter Stadtteil Seckbach zusammenleben, wurde 1920 gegründet und ist – nach seinem Stiftungsgedankens – einmalig in Deutschland.

Bild oben: Rabbi Andrew Steiman sorgt in der Budge-Stiftung dafür, dass sich Menschen jüdischen und christlichen Glaubens begegnen, und dass sie Feiertage der jeweils anderen Religion gemeinsam erleben können. Foto: Beate Glinski-Krause

 

Dem Stifterwillen gemäß trugen der Rabbiner der Stiftung, Andrew Steiman, die evangelische Pfarrerin, Gisa Reuschenberg, und der katholische Diakon, Franz Reuter, in einem Gebet die Unfasslichkeit der Shoah, aber auch die Gemeinsamkeiten ihrer Religionen vor. Eindrücklich hieß es: „Wir teilen die gemeinsame Vision, dass ein harmonisches Zusammenleben zwischen allen Menschen möglich ist.“

Nur emotional könnten wir uns dem Zivilisationsbruch nähern, der durch Auschwitz – der Begriff des Unmenschlichen – über die Menschheit gekommen ist, sagte Thorsten Krick, Geschäftsführer des Hauses. Im Akkord sei industriell aus Leben Tod produziert worden – darunter viele Kinder. Dieses Leid könne im gemeinsamen Zusammenleben mit den Überlebenden und weiteren Betroffenen nur über die emotionale Annäherung getragen werden.

Kirchenstadtrat Uwe Becker, der zum Vorstand der Budge-Stiftung gehört, ging auf die Geschichte der Stadt und ihrer Bürger jüdischen und christlichen Glaubens ein. Frankfurts Geschichte sei ohne die jüdischen Familien nicht denkbar.

Rückblickend auf die NS-Diktatur habe auch Frankfurt eine Geschichte in Auschwitz. So seien 10.000 Frankfurter jüdischen Glaubens, die als unwert erklärt worden seien, in der Großmarkthalle zusammengetrieben worden, um in die Vernichtung geschickt zu werden. In jedem Stolperstein würden wir immer wieder an ein verlorenes Lebens erinnert.

Heute bildeten Menschen aus 170 Nationen mit den eingesessenen Bürgern eine Stadtgesellschaft, die für Freiheit und kulturelle Vielfalt stehe. Angesichtes der Geschehnisse Anfang Januar in Paris 2015 sei es jetzt wichtig, sich gemeinsam für eine offene und freie Gesellschaft zu engagieren.

Kirchenstadtrat Uwe Becker

Bild oben: Kirchenstadtrat Uwe Becker hob hervor, dass die Stolpersteine – eingelassen in Gehwegen Frankfurts – uns daran erinnerten, die unfassliche Geschichte der Shoah nicht zu vergessen. Foto: Beate Glinski-Krause

 

Nachdem abschließend für die Opfer – in unfasslicher Zahl – symbolisch Kerzen angezündet wurden, sprachen drei Überlebende, Heinz Hesdörffer, Eliezer Marom und Siegmund Pluznik das Kaddisch, das Heilungsgebet zum Lobpreis Gottes.

 

Weitere Informationen über die Budge-Stiftung unter:

http://www.budge-stiftung.de

 

Text: Beate Glinski-Krause

 


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