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Über Umwege zu eigenem Ausdruck finden – Martha-Haus bittet zur Vernissage

Über Umwege zu eigenem Ausdruck finden – Martha-Haus bittet zur Vernissage

Das Martha-Haus, ein Pflegeheim direkt am Frankfurter Museumsufer gelegen, lud am 16. Oktober 2014 zur Ausstellungseröffnung mit Bildern und Drucken der Künstlerin Marianne Vogel ein.
 
Bild oben: Marianne Vogel erzählte über ihren künstlerischen Werdegang. Foto: Beate Glinski-Krause

 

Schon seit Jahren veranstaltet der Verein Martha-Haus derartige Ereignisse, zu denen vorwiegend die Bewohner des Hauses, aber auch Interessierte aus dem Stadtteil Sachsenhausen kommen. Darin hat sich das Haus schon einen ansehnlichen Ruf erworben, der nicht nur für die Kunst spricht, sondern bei Ausstellungseröffnung auch Austausch im Gespräch am Buffet verheißt.

Auf die Frage, ob ihre Bilder, Drucke und Bücher zu erwerben seien, sagte die selbstbewusste Kunstschaffende, dass ihr gesamtes Werk im Kreis ihrer Familie bewahrt werden solle. Das verblüfft zunächst. Die vor dem 2. Weltkrieg geborene Frau, die sich in ihrem mannigfaltigen Werk u. a. mit der Poesie Paul Celans, dem Gilgameschepos und den Geschichten und Märchen der Brüder Grimm auseinandersetzt, wollte sich nach dem Abitur der Kunst akademisch widmen und strebte eine Dissertation an.

Doch das Schicksal wollte es anders mit ihr. Durch ihre Eltern, die einst in Sachsenhausen eine Weinstube betrieben, lernte sie ihren Mann kennen, mit dem sie eine Familie gründete, aus der fünf Kinder hervorgingen. Schien also die Kunstkarriere außer Reichweite? Im Gespräch während der Ausstellung sagte sie, dass sie sich im Laufe des Lebens mit der Kunst nicht mehr nur akademisch beschäftigt habe. Sie habe das Gestalterische in Bildern auch zunehmend aus der Perspektive von Kindern sehen gelernt.

Dennoch setzte sich Marianne Vogel weiterhin mit Schrift, Druck und Grafik auseinander. Lange war sie im Offenbacher Klingspor-Museum für Schriften und Grafik tätig. Mit Blick aufs Heute sagte sie, dass sie mit Kindern Bücher hergestellt habe mit selbst angefertigten Druckbuchstaben. Dabei könne es vorkommen, dass die Worte nicht immer richtig gedruckt seien. Doch darauf komme es gar nicht an. Wichtig sei vielmehr, dass im Gestalten erfahren werde, wie Buchstaben entstehen – außerhalb moderner Medien – und dass Fehler sogar ein willkommenes Zeugnis fürs selbst Hervorgebrachte seien. Umringt von Interessierten erklärte die begeisternde Frau, wie sie Kunst auffasst und dass diese Arbeit eine Leidenschaft sei. Und genau das drückt Marianne Vogel sowohl als Mensch, als auch in ihrem Werk aus. Schade, dass man nichts davon erwerben kann.

 

Weiter Informationen über das Martha-Haus finden Sie unter dem

http://www.marthahaus-frankfurt.de

 

Text: Beate Glinski-Krause

 


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