FFA von  

Theaterstück “Am Horizont”

Theaterstück “Am Horizont”

“Jede Aktion, die das Problem der Pflege in die Gesellschaft bringt, bringt auch die Würde in die Gesellschaft!”

Theateraufführung “Am Horizont” sorgt für Gespräche über Demenz, Würde und Zivilgesellschaft. Zur Aufführung des Stücks lud die Alzheimergesellschaft am 12. September 2018 ins Haus am Dom in Frankfurt ein mit anschließender Diskussion.

Im Bühnenstück von Petra Wüllenweber gerät der 12-jährige Janek, dessen Mutter tagsüber arbeitet, in eine schwere Lebenssituation. Er ist für seinen Opa zuständig, der immer wunderlicher wird und seinen Enkel gar für einen Dieb hält. Trotz der steigenden Überforderungen gehen Janeks Liebe und Zuneigungen für den Opa nicht verloren.

Bild oben: (v.l.n.r) Susanne Fröhlich als Anna, Walter Jauernich als Opa, Tim Vollrath-Kühne als Janek vor dem Publikum im Haus am Dom

 

Schulklassen über Demenz ins Gespräch bringen

Nach der Aufführung im Haus am Dom diskutierte das Publikum mit den Podiumsgästen darüber, wie Altersdemenz in Familien, in den Pflegediensten und Heimen erlebt wird. Auch Schulklassen besuchten zahlreiche Aufführungen und äußerten sich über das Thema. Der Autorin Wüllenweber und der Theatergruppe ist es gelungen, dass Schüler über ihre Erfahrungen mit Demenz sprechen. Sie seien zunehmend davon betroffen, sagte Janek-Darsteller Tim Vollrath-Kühne. Regisseur Jan Schuba hob hervor, dass Ruth Müller, Alzheimergesellschaft, Tipps gab, welche Krankheitssymptome innerhalb der Demenz auftreten, sodass diese in die Aufführung einbezogen werden konnten.

 

Menschenwürde und Zivilgesellschaft

Auch der Stellenwert der unantastbaren Menschenwürde – im Artikel 1 der deutschen Verfassung verankert – kam zur Sprache. Unser Land sei das weltweit einzige, das Würde Verfassungsrang einräume, sagte Dr. Dewi Maria Suharjanto – Haus am Dom. Das habe mit der Geschichte Deutschlands im Zweiten Weltkrieg zu tun.

Dass die Stadt Frankfurt seit 2001 mit ihrem “Frankfurter Programm Würde im Alter” ambulante und stationäre Projekte maßgeblich fördert, um die Versorgung in Heimen und im ambulanten Bereich zu ergänzen, kam ebenfalls zur Sprache. Heimleitende aus dem Netzwerk Frankfurter Forum für Altenpflege hatten 1999 auf einer Pressekonferenz eine Studie veröffentlicht, um die Defizite der Pflegeversicherung wissenschaftlich zu belegen. Dem waren Proteste der Forumsmitglieder mit der Kommunalpolitik zivilgesellschaftlich vorausgegangen. Fazit: Der Gesetzgeber hatte schon damals zu wenig Betreuungszeit – z. B. für Demenz – vorgesehen. Darauf antwortete die Stadt – nach politischer Debatte – mit ihrem Sofortprogramm, das noch heute besteht.

 

Die Situation der Pflege hierzulande beständig öffentlich zur Sprache bringen

Krankenpfleger Roger Konrad äußerte sich über die Aktion “Pflege am Boden”. Das sei eine bundesweit provokante Aktion der Pflege in den letzten 5 bis 6 Jahren gewesen, um auf den weiterhin bestehenden Notstand hinzuweisen. Die Öffentlichkeit unterstütze solche Initiativen immer mehr. Aber auch die familiäre Pflege brauche Entlastung. Wir brauchten alle mehr Zeit für die Pflege. “Jede Aktion, die das Problem der Pflege in die Gesellschaft bringt, bringt auch die Würde in die Gesellschaft!”

Dem stimmte Monika Kaus, Vorsitzende der Deutschen Alzheimergesellschaft, zu. Sie unterstrich aus eigener Erfahrung, dass auch heute nur sehr wenig Zeit für Pflege und Betreuung in Heimen zur Verfügung steht. Sie warb zudem für „Schulungen und Kurse in leichter Sprache“ im Rahmen der „Demenz Partner“- Initiative ( www.demenz-partner.de ).

 

Text: Beate Glinski-Krause



Mir gefällt dieser Artikel  


Kommentare sind geschlossen.