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Kooperation verbessert ärztliche Versorgung in Pflegeheimen

Kooperation verbessert ärztliche Versorgung in Pflegeheimen

Am 07. Juli 2016 fand an der Frankfurter University of Applied Sciences ein Symposium zur sektorenübergreifenden Gesundheitsversorgung in der stationären Pflege Hessens statt im Rahmen der Aktionswochen „Älterwerden in Frankfurt“. Organisator Prof. Hilko Meyer, Zentrum für Gesundheitswirtschaft und Recht (ZGWR), lud dazu ein. Denn immer mehr Menschen mit hohem medizinischen Behandlungs- und Pflegebedarf kommen in die Pflegeheime. Das erfordert bessere medizinische Versorgung in den Einrichtungen.

Bild oben: Markus Förner, Hufeland-Haus Frankfurt und Mitglied im Frankfurter Forum für Altenpflege, wies auf die Entwicklungen in den Pflegeheimen hin

 

Alle Akteure im Land an einen Tisch bringen

Acht Referenten erläuterten aus ihren jeweiligen Fachgebieten, wie Gesundheits- und Pflegewesen zusammenkommen. Dies funktioniere nur durch praxisorientierte Gremienarbeit. Diese werde in Hessen im „Gemeinsame Landesgremium“ (§ 90a SGB V) organisiert, erläutere Meyer. Dort kämen Politik, die Kassenärztlichen Vereinigungen für Ärzte und Zahnärzte in Hessen, Trägerverbände und viele weitere Organisationen zusammen, um Empfehlungen zur sektorenübergreifenden Vorsorge auszusprechen. Im November 2015 habe das Gremium empfohlen, Kooperationsverträge (§ 119b SGB V) auszuarbeiten, um die ärztliche Versorgung in Heimen zu optimieren.

 

Einführung der Pflegeversicherung 1995 und die Lage heute

Die 1995 eingeführte ambulante Pflegeversicherung regelt, dass Pflegedienste medizinische Behandlung mit den Krankenkassen und die Pflegeleistung mit den Pflegekassen abrechnen. Somit wurden hier zwei Leistungsträger verankert. Später wurde die medizinische Behandlungspflege, die ursprünglich Krankenkassenleistung war, kostensparend in das Leistungspaket der Pflegeversicherungen verschoben. Das benachteiligt Heimbewohner gegenüber ambulant gepflegten Personen. Die ärztliche Versorgung im Heim finanzieren zwar auch die Krankenkassen, aber mit gedeckeltem Budget. Mit dieser Finanzierung kommt man heute nicht mehr aus. Heute leben hierzulande 2,7 Mio. pflegebedürftige Menschen und 2030 sind 3,5 Mio. prognostiziert.

Markus Förner, Geschäftsführer Hufeland-Haus Frankfurt, wies darauf hin, dass in die Pflegeeinrichtungen zunehmend schwerstpflegebedürftige Personen einziehen bei sinkender Verweildauer. Das bedeute, viele lebten nur noch weniger als ein Jahr im Heim. Diese Bewohner gelangten in die Einrichtung, weil sie keine andere Alternative mehr hätten. Sie kämen in der Regel direkt aus den Kliniken, litten an mehreren Erkrankungen und erhielten viele Medikamente. Für sie bestehe zwar gesetzlich freie Arztwahl, doch viele seien dazu nicht mehr in der Lage. Wenn ein Heimbewohner nicht mehr für sich entscheiden kann, dann tritt der gesetzliche Betreuer – z. B. ein Angehöriger – für ihn ein. Aber auch dieser kann nur in begrenztem Rahmen aktiv werden.

 

Sektorenübergreifend gemeinsam Lösungen finden

Gerhild Oesten, Hessisches Ministerium für Soziales und Integration, sah das Verhältnis zwischen Gesundheits- und Pflegeversicherung dergestalt, dass die Krankenkassen eher zurückhaltend seien, Defizite im stationären Pflegesystem auszugleichen, weil dies für sie zusatzbeitragsrelevant wäre. Gleichwohl seien auch in den Kliniken die Fallpauschalen im Demenzfall unzureichend. Somit sei die Expertise der Heime auch in Kliniken gefragt. Ein Sektor sei somit auf den jeweils anderen angewiesen.

Der Palliativmediziner Eckhard Starke sprach für die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen. „Das Durchschnittsalter der Hausärzte Hessens liegt zwischen 55 und 65 Jahren und junge Nachwuchsärzte haben andere Ansprüche wie z. B. Teilzeitarbeit. Sie treffen auf eine Bevölkerung, in der die Patienten zu über 30 Prozent 65 Jahre und älter sind.“ Dass es keine zusätzlichen Vergütungen für ärztliche Mehraufwendungen im Pflegeheime gebe, kritisierte Starke. Wichtig sei, dass die KV Hessen mit den Heimträgern spricht.

Ergänzend dazu äußerte Jochen Rindfleisch-Jantzon, bpa (Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste), man habe schon lange mit der KV Hessen für die Verbesserung der Rahmenbedingungen gearbeitet, etwa dass der Arzt Ansprechpartner im Heim hat, um die Medikation zu besprechen. Problem sei, dass der Arztbesuch oft nicht mit den Dienstplänen des Heimes vereinbar sei. Was aber schon erzielt wurde, das seien gemeinsame Schulungen mit Pflegepersonal und Ärzten.

Dass Pflegebedürftige im Heim auch in der Zahnmedizin benachteiligt sind, hob Jens Hohmeier von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hessen hervor. Die Menschen in Heimen seien durch ihre Immobilität meist zu stark eingeschränkt, um einen Zahnarzt aufzusuchen. Daher plädierte er für den Zahnarztbesuch in Pflegeheimen, um die Patienten schmerzfrei zu halten. Dadurch sollten sie auch besser kauen und kommunizieren können. Hier habe man in Hessen schon aktiv gehandelt und zahlreiche Verträge nach § 119b SGB V abgeschlossen.

Auf die komplexe Medikation in Pflegeheimen ging der aus Camberg stammende Apotheker Achim Gondermann ein. Man schließe mit dem Pflegeheim Versorgungsverträge ab und stelle patientenindividuell verblisterte Arzneimittel zur Verfügung. Erst 2012 habe der Gesetzgeber auf die hohe Fehlerrate in der Medikation reagiert und auf die auf die individuellen Einnahmezeitpunkte bezogene Verblisterung gesetzlich geregelt.

Die von der Hochschule Osnabrück angereiste Stefanie Kortekamp ging auf die komplexe Koordination aller vorgestellten Teilaspekte ein. Erforderlich sei ein organisationsübergreifendes Prozessmanagement im Heim, in das Ärzte, Apotheken, Pflegende, Patienten, Angehörige und Betreuer involviert seien.

 

Text: Beate Glinski-Krause



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