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In Problemsituationen tragen Ethikbeauftragte in Pflegeheimen zu Lösungen bei

In Problemsituationen tragen Ethikbeauftragte in Pflegeheimen zu Lösungen bei

Das Frankfurter Ethiknetzwerk bildet künftig Mitarbeiter in Heimen zu Ethikbeauftragten aus. Sie sollen ethische Probleme erkennen lernen, um sie in den Pflegeteams zu besprechen und um möglichst eigenständig tätig zu sein. Gelingt das nicht, wird das Ethiknetzwerk von außen einbezogen.

Das Ethiknetzwerk für Altenpflege in Frankfurt, das seit über 10 Jahren besteht, wird künftig Mitarbeiter der Pflegeheime zu Ansprechpartnern bei ethischen Fragestellungen ausbilden. Wie das geschehen wird, zeigte die Auftaktveranstaltung des Ethikkomitees in Frankfurt am 9. September 2018 auf. Sie fand im Alten- und Pflegeheim Anlagenring statt, wo sich etwa 40 Personen aus Frankfurter Einrichtungen einfanden. Sie alle wollten wissen, wie Bewohner in schwierigen Lagen angemessen versorgen werden können und was heiminterne Ethikbeauftragte künftig dazu beitragen können.

Bild oben: (v.l.n.r.) Mitstreiter im Frankfurter Ethikkomitee Altenpflege sind: Michaela du Mesnil, Gwendolin Wanderer, Susanne Filbert, Dr. Gisela Bockenheimer-Lucius, Ramona Wagner, Dr. Thomas Brandecker

 

Was unterscheidet Moral von Ethik?

Warum Ethik auch in Pflegeheimen wichtig ist, erklärte die Gründerin des Frankfurter Ethikkomitees für Altenpflege, Gisela Bockenheimer-Lucius, indem sie zunächst den Unterschied von Moral und Ethik klar darstellte. Moral bestehe aus einem gemeinsamen Bestand an Wertvorstellungen, nach dem wir uns als Gesellschaft richten. Ethik hingegen hinterfrage und prüfe diese Vorstellungen, ob sie gegebenenfalls noch gültig und vertretbar sind. Durch die Errungenschaften der modernen Medizin sei es z.B. möglich geworden, das Leben künstlich zu verlängern. Dazu gehöre beispielsweise auch die Einführung von PEG-Sonden. Als es diese noch nicht gab, habe es keinen Grund gegeben, sich ethisch mit Lebensverlängerung durch künstliche Sondenernährung zu beschäftigen. Technische Errungenschaften verlangten somit nicht nur in Kliniken, sondern auch in Heimen einen erhöhten Bedarf an ethischer Reflexion und damit einhergehender Veränderungen. Die Referentin fragte aber auch nach weniger dramatischen Problemen: “Was ist zu tun, wenn ein Heimbewohner anfängt, sein Essen und die Zeitungen im Zimmer zu horten?” Könne das Personal dann gegen dessen Willen das einfach wegräumen, was diesem wichtig ist. Der zuständige Betreuer wende sich oft in diesen Fällen an die Pflege und reagiere nicht darauf, was der Bewohner oder die Bewohnerin wünsche. Daher seien in den Heimen jene Menschen wichtig, die Ansprechpartner für derartige Situationen sein können, um auch den Bewohneranspruch auf Autonomie und Freiheit zu sichern; Grundrechte, die allen Menschen hierzulande zustehen.

 

Wie das Ethiknetzwerk in Frankfurt entstanden ist und wohin es sich entwickelt

Im Jahr 2006 entstand aus der Notwendigkeit der Diskussion ethischer Fragen in einer ersten Phase der Gedanke, ein Ethikkomitee in einem Frankfurter Altenpflegeheim (EKA) einzuführen, was schließlich im Franziska-Schervier-Seniorenzentrum umgesetzt wurde. Nach einer bestandenen Einarbeitungs- und Bewährungszeit gründeten die professionellen Ethiker und Ethikerinnen einen begleitenden Gesprächskreis. Dort trafen sich Pflege- und Betreuungskräfte aus unterschiedlichen Pflegeheimen im vertraulichen Kontext und tauschten sich über schwierige Problemsituationen offen aus. Damit begannen die ersten Schritte der heute bewährten Netzwerkarbeit mit Fachleuten aus den Pflegeheimen. Dafür wurde in einer dritten Phase im Jahr 2008 ein zweites Komitee gegründet, das „Ethikkomitee in der Altenpflege 2“ (EKA 2), um eine enge Kooperation und Ethikberatung zu gewährleisten. Die vierte Phase ab 2018 umfasst die Institutionalisierung ethischer Reflexion in den Pflegeteams der Heime selbst und damit die Stärkung der Netzwerkarbeit dank hauseigener Ethikbeauftragter.

 

Ethik hat dem Wohl der in Heimen lebenden Menschen zu dienen

Was soll durch die Einsetzung von Ethikbeauftragten erreicht werden? Für Bewohner, deren Angehörige, rechtliche Betreuer oder Pflegekräfte ergeben sich immer wieder moralische Konflikte, die sich in dem Gefühl ausdrücken: Hier passiert etwas, das nicht meinen Wertvorstellungen entspricht. Für diese Situationen sollen die Ethikbeauftragten künftig eine niederschwellige Anlaufstelle darstellen. Sie helfen, die Fragestellungen zu sortieren und können entweder selber bei der Lösung vor Ort unterstützen oder, wenn das nicht gelingt, den Kontakt zum Ethikkomitee herstellen und eine Ethikberatung organisieren. Ziel der Maßnahme ist, die Mitarbeiter der Pflegeeinrichtungen systematisch für ethische Probleme zu sensibilisieren und die Ethikarbeit in den täglichen Arbeitsabläufen zu verankern, sodass eine Auseinandersetzung mit ethischen Fragen nicht dem Zufall überlassen bleibt.

 

Text: Beate Glinski-Krause



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