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Hand in Hand arbeiten Stadt Frankfurt, Sozialbehörde und Ehrenamt

Hand in Hand arbeiten Stadt Frankfurt, Sozialbehörde und Ehrenamt

Das “Versorgungshaus und Wiesenhüttenstift” feierte als ältestes Pflegeheim in Frankfurt am Main am 9. März 2017 sein 200-jähriges Bestehen im Rathaus Römer.

Vor dem Festakt zum Jubiläum fand vormittags der Spatenstich für einen Erweiterungsbau des Hauses im Frankfurter Bogen – Stadtteil Preungesheim – statt. „38 neue Wohnungen mit zwei bis drei Zimmern und offener Wohnküche werden dort errichtet“, hob die zuständige Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld hervor. Mit diesem Spatenstich wird eine lange Tradition fortgeführt, denn 1842 – zum 25-jährigen Bestehen der Einrichtung – wurde ein Erweiterungsbau eingeweiht dank der Zuwendungen des Bankiers Heinrich Mylius, einem wohltätigen Bürger der Stadt. Das erste Versorgungshaus befand sich damals noch in der Frankfurter Altstadt, wo sich heute der Bezirk der Frankfurter Gerichte befindet.

Bild oben: Versorgungshaus und Wiesenhüttenstift Frankfurt am Main

 

Frankfurter Bürger sorgten für großzügige Hinterlassenschaften

Oberbürgermeister Peter Feldmann ging anschließend im Rathaus Römer auf die Geschichte der Stadt im 19. Jahrhundert ein und wies darauf hin, dass bürgerschaftliches Engagement und staatliches Handeln auch schon 1817 Hand in Hand gingen. Damals sei Frankfurt ein souveräner Staat des Deutschen Bundes gewesen und der Rat der Stadt habe freie Mittel für ein Versorgungshaus für Bedürftige eingesetzt. Stiftungen und Hinterlassenschaften von Frankfurter Bürgern hätten zunehmend den Ausbau in den folgenden Jahrzehnten ermöglich. Ende des 19. Jahrhunderts – im Zeitalter der Industrialisierung – habe die Zahl Bedürftiger enorm zugenommen und die ehrenamtliche Versorgung seitens vieler Bürgerinnen und Bürger sei an die Grenzen der Wohltätigkeit gestoßen. So sei z. B. die Einwohnerzahl zwischen 1810 und 1910 von 40 000 auf 400 000 Menschen angestiegen, erläuterte der OB. Somit veranlasste die Stadt gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Zentralisierung und Professionalisierung der Armenpflege, ohne aber auf das Wissen und Tun der Ehrenamtlichen zu verzichten. So wurde die Arbeit von Ehrenamt und städtischer Armenkommission miteinander vereint, was sich weitgehend bis heute gehalten und auch bewährt habe.

 

Idee für ein Versorgungshaus für arme, alte, alleinstehende und mittellose Menschen

Warum das Haus auch den Namen “Wiesenhüttenstift” trägt, ist auf den Hauptstifter Ludwig Friedrich Wilhelm Freiherr von Wiesenhütten (1786 – 1859) zurückzuführen, erklärte Historiker Björn Wissenbach in seiner Rede im Römer. Ein Teil des neuen Versorgungshauses von 1911, das im Frankfurter Nordend errichtet wurde, habe daher seinen Namen übernommen. 1956 hätten dort 290 Menschen gelebt, die von 93 Mitarbeitern versorgt wurden, wie der Festschrift zu entnehmen ist, die Wissmann sehr unterhaltsam verfasst hat. Er erzählt darin, dass 1813 für einen Lazarettbau noch gespendetes Geld der Frankfurter Bürger übrig war, wodurch die Idee eines Versorgungshauses für arme, alte, alleinstehende und mittellose Menschen entstanden war. Immerhin seien 2.165 Gulden und ein Kreuzer damals übrig gewesen – eine eigentlich viel zu geringe Summe für so ein Vorhaben. Zur Gründung der „Stiftung“ des Versorgungshauses erhöhte schließlich der Rat der Stadt den Betrag auf 8.165 Gulden, was zur Gründungen der Einrichtung selbst führte. Auch die künftig im Haus lebenden Bedürftigen sollten etwas zur Finanzierung und Bewirtschaftung beisteuern. So mussten arbeitsfähige Arme Brot durch eigene Arbeitskraft erwerben. Sieche Personen hingegen sollten Unterkunft und angemessene Pflege erhalten. Nach dem Gründungstag des Versorgungshauses am 9. März 1817 mussten die ersten zehn „Pfleglinge“ am Folgetag um 7:30 Uhr antreten und wurden zur Arbeit aufgefordert. Sie sollten spinnen, nähen, flechten, drehen und andere handwerkliche Arbeiten verrichten. Darüber hinaus hätten seinerzeit rund 1000 Frankfurter Bürger das Haus regelmäßig finanziell unterstützt.

 

Nichts Modernes ohne Althergebrachtes

Heute ist das ehemalige „Armenhaus“ von 1817 zu einer modernen Einrichtung für das Leben und Wohnen im Alter geworden. 2006 seien die Bewohner im Juli vom alten Jugendstilbau im Frankfurter Nordend ins neue Gebäude am Gravensteiner Platz umgezogen, berichtet Leiterin Beatrix Schorr. Am 20. September 2006 habe die offizielle Eröffnung des Neubaus stattgefunden. Er bietet 25 Wohneinheiten für Betreutes Wohnen und 149 Pflegeplätze der stationären Pflege. Die Baukosten betrugen vor 11 Jahren 25 Millionen Euro.

Die informative Jubiläumsschrift von Björn Wissenbach – „200 Jahre Versorgungshaus und Wiesenhüttenstift“ – liegt in der Einrichtung aus – Telefon 069 – 150 510

 

Text: Beate Glinski-Krause

FFA-Pressebüro


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