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Gehupe und Geschrei machen matt mitten in der Stadt

Gehupe und Geschrei machen matt mitten in der Stadt

„Lärm ist eine wesentliche Belastung für Bürgerinnen und Bürger”, betonte Stephan Siegler, Stadtverordnetenvorsteher in Frankfurt, der in diesem Amt auch erster Bürger der Stadt ist. Im Bereich des Frankfurter Rechneigraben-Weihers befinden sich ein Altenpflegeheim und eine Klinik inmitten von zwei vierspurigen Einbahnstraßen, was alle dort leben Menschen erheblich beeinträchtigt. Betroffen ist auch ein etwas weiter entferntes Alten- und Pflegeheim in der Seilerstraße. Zu einer Aussprache mit dem Politiker hatte Bernd Trost, der das Franziska-Schervier-Seniorenzentrum leitet, eingeladen.

“Zwischen 23 und 2 Uhr nachts brausen hier Motorräder und Autos laut durch die Straßen und liefern sich Wettrennen auf quietschenden Reifen an der Obermainanlage”, sagte eine Frau, die im Seniorenzentrum lebt. Dort traf sich im Sommer eine Gruppe von Anwohnern, um einmal darzulegen, wie es sich anfühlt, nur langsam mit Stock voran zu kommen oder gar im Rollstuhl auf Straßen und Bürgersteigen im Stadtkern unterwegs zu sein. Man müsse schon sehr fit sein, um sich im Rollstuhl auf einem 90 Zentimeter breiten Bürgersteig zu bewegen, der von einer Absperrung begrenzt wird. Vor allem, wenn das Pflaster der Fußwege überstehe, seien Fußgänger gefährdet. Hier forderte Siegler auf, dies zu fotografieren und das direkt an seine Dienststelle zu senden. Der Politiker, der auch Polizist ist, sagte ferner “In Frankfurt gibt es Leute, die ihre Autos zeigen wollen und nutzen Straßen als Rennstrecke.“ Die Verkehrmoral der Stadt sei unterentwickelt.

Bild oben: Im Gespräch (v. l. n. r.): Hausleiter Bernd Trost, Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler und Sabine Krosch, Büro Stadtverordnetenvorsteher

 

Kinder und Jugendliche in der Parkanlage

Weil ein Bolz- und Kinderspielplatz direkt am Seniorenzentrum liegen, sei es einmal vorgekommen, dass ein Jugendlicher über den Zaun in den Garten am Gebäude kletterte, um den Ball zurückzuholen. Dabei sei er auf einer Plastiküberdachung eingebrochen. „Gott sei Dank ist nichts passiert”, sagte Trost. Auch Überlegungen, den Bolzplatz mit einem Netz zu überspannen, seien ins Nichts gelaufen, weil die Stadt darin ein Versicherungsrisiko sehe. Zudem werden diese Plätze übers ganze Jahr – z. T. auch nachts – genutzt. Ein besonderer Lärmfaktor des Bolzplatzes sei ein Gitter, das bei Ballkontakt lautstarke Geräusche verursacht zum Leidwesen der Heimbewohner. Dieses Spiel mache auch einem älteren Mann Spaß, der jeden Morgen seinen Ball viele Male gegen das Gitter kicke. Vorgeschlagen wurde, einen ungenutzten Bolzplatz in der Nähe des Gerichts zu aktivieren und weitere Eingaben an die zuständigen Behörden zu schicken.

 

Lautes Tatütata von Rettungsfahrzeugen

Viel Lärm machten auch die Rettungsfahrzeuge, die im Ernstfall mit Tatütata bis zum Eingang der nahe gelegenen Klinik fahren. Das müssten sie tun, so Siegler, weil es das Sonder- und Wegerecht so vorsehe. „Und warum kann man die Wettrennen auf den Straßen nicht beenden?“ Darauf antwortete der Referent. „Seitens des städtischen Straßenverkehrsamtes hat man Raser geblitzt, Tempo 30 Zonen eingerichtet, auf denen letztendlich Tempo 50 und mehr gefahren wird.“ Er versprach einen Brief an diese Behörde zu schicken, um Entlastungen zu erwirken.

 

Die Kultur des Verkehrsverhaltens in Frankfurt verbessern – Problem Radfahrer

„Auf Gehwegen und in Fußgängerzonen dürfen Radfahrer langsam fahren, was sie zumeist aber nicht tun“, berichtete Siegler. Das sei ein Problem für Passanten, besonders für die älteren. Radler entzögen sie sich auch der Kontrolle. weil es keine Fahrradkennzeichen gibt. Eine Kennzeichnung von Fahrrädern befürworteten daher die Anwohner im Gespräch. Tatsache ist, dass sich die zuständigen Behörden schon ausgetaucht hätten. Es gebe die Tendenz, Radfahrwege auch wieder auf die Straße zu verlegen. Auch rote Ampeln missachteten die Radler oft, was einigen schon das Leben gekostet habe. Und Bernd Trost erlebt täglich, dass Autofahrer die grünen Fußgängerampeln an der Kreuzung Allerheiligentor oft nicht beachteten. “Eine brandgefährliche Situation!“ Vor allem junge Fußgänger brächten sich selbst in Gefahr, weil sie mit Ohrhörern und nach unten gerichtetem Blick die Straße überquerten. Alleine auf der Eschersheimer Landstraße koste dies jährlich ein Todesopfer, ergänzte der Referent.

 

„Mitbewohner“ auf der Parkbank ohne festen Wohnsitz

Dass sich in der Parkanlage an der Langestraße bis hin zur Seilerstraße Alkohol- und Drogenabhänge angesiedelt haben, das beobachten die Anwohner mit Sorge. Es breite sich eine Szene von Dealern und Drogenabhängigen aus, die sich offen gibt und auch dort nächtigt. „Es finden lautstarke Saufgelage statt, es wird gespritzt unter den Augen des Publikums und der Kinder auf den Spielplätzen“, beschreibt Trost die Lage. Dies, so Siegler, sei ein allgemeines Phänomen der Innenstadt. Die Polizei führe Kontrollen durch und nehme auch Personen mit, die alsbald wieder zurückkämen. Er sagte zu, mit den zuständigen Polizeidienststellen und mit der Rauschgiftbehörde Kontakt aufzunehmen.

 

Text: Beate Glinski-Krause


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