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Behandlung im Voraus planen (BVP)

Behandlung im Voraus planen (BVP)

Dialogangebot für ein selbstbestimmtes Lebensende

Im Frankfurter Forum für Altenpflege (FFA), das Netzwerk der Pflegeheimleitenden, ging es im Sommer 2017 um das Konzept „beizeiten begleiten®“. Boris Knopf, Geschäftsführer des Würdezentrums Frankfurt, und Kirsten Wolf, Leitung Würdezentrum und Projektleiterin BVP (Behandlung im Voraus planen), stellten es den Heimleitungen im Pflegeheim Sonnenhof am Park im Westend vor.

Bild oben: Boris Knopf und Kirsten Wolf informierten die Mitglieder im FFA

 

Wer selbstbestimmt sein Lebensende regeln will, muss sich selbstreflektiert darüber klar werden, was geschehen soll, wenn er selbst nicht oder nicht mehr in der Lage ist, zu entscheiden. Das setzt einerseits ein hohes Maß an Autonomie voraus, stellt den Menschen andererseits jedoch in die Situation der Auseinandersetzung mit hochkomplexen, existentiellen Fragestellungen. Mit dem Paragraphen 132 g SGB V zur „gesundheitlichen Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase“ hat der Gesetzgeber im Rahmen des Hospiz- und Palliativgesetzes schon 2015 den Rahmen eines Beratungsangebotes für in den stationären Pflege- und Behinderteneinrichtungen lebenden Menschen geschaffen. Die gesetzliche Regelung orientiert sich an dem aus den USA stammenden, und daneben u. a. auch in Kanada, Neuseeland, Australien und der Schweiz etablierten Modell des „Advance Care Planning“ (ACP). In Deutschland folgt diesem Ansatz das von Prof. Jürgen in der Schmitten, Düsseldorf, und Prof. Georg Marckmann, München, seit 2008 entwickelte Projekt „beizeiten begleiten© “, das inzwischen unter dem Titel „Behandlung im Voraus planen“ (BVP) bundesweite zunehmende Verbreitung findet. Auch in Frankfurt gibt es ein Projekt zur regionalen Implementierung, an dem aktuell drei Pflegeheime beteiligt sind, erläuterte Boris Knopf dem Kreis der Heimleitenden. „Behandlung im Voraus planen“ setze auf die Selbstbestimmung der Bewohner und stelle diese in den Mittelpunkt des Handelns in den Heimen, aber auch in den Kliniken und Rettungsdiensten.

Die Bewohner ließen sich damit in einen beständigen Dialog darüber ein, was bis zum Lebensende z. B. medizinisch, therapeutisch geschehen soll.

Kernelemente von BVP sind standardisierte Bögen zur Erstellung von Patienten- und Notfallverfügungen sowie die Ausbildung und Akkreditierung von Gesprächsbegleitern in den Einrichtungen, erläuterte Kirsten Wolf. Im Rahmen eines begleiteten Gesprächsprozesses geht es für die Bewohnerinnen und Bewohner zunächst zentral um Fragen, was ihre eigenen tragenden Werte sind und welches Verständnis von Leben sie haben. Daraus abgeleitet folgt die Klärung von Therapiezielen in unterschiedlichen Szenarien, z. B. in einer akut lebensbedrohlichen Situation, bei Einwilligungs- und Urteilsunfähigkeit von unbestimmter Dauer oder bei erwartbar dauerhaftem Eintritt eines solchen Zustandes.

Knopf, der ausgebildeter Krankenpfleger und Palliativpflegespezialist ist, erklärte, auf Spitzenverbandsebene sei man bis heute schon weit vorangekommen, wobei die Frage der Finanzierung ein wichtiger, und leider immer noch nicht abschließend geklärter Teil sei. Künftig soll diese Leistung von den Krankenkassen finanziert werden. Dafür stehe der Paragraph 132 g SGB V der gesetzlichen Krankenversicherung, der für Menschen in Pflegeheimen oder deren Betreuer das Angebot einer freiwilligen Behandlungsplanung vorsieht, das von den Heimen erbracht werden solle. Man verspreche sich auf Dauer von diesem Vorgehen auch eine Veränderung des gesamten Gesundheitswesens, weil „Würdeerleben“ und Selbstbestimmung der Patienten damit stärker in den Mittelpunkt gestellt werden.

 

IM FILM PRÄSENTIERT: BEIEINDRUCKENDER DIALOG IM RAHMEN EINER GESPRÄCHSBEGLEITUNG

Prof. Jürgen in der Schmitten, Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf, untersucht Vorsorgeplanungen wissenschaftlich. Während der FFA Veranstaltung zeigte Knopf einen Film, in dem der Wissenschaftler einen Dialog mit einer neu eingezogenen, orientierten Pflegeheimbewohnerin führt. Sehr offen formulierte sie, welche Behandlung sie sich am Lebensende wünscht und was nicht eintreten soll. Ihr wurde in diesem Dialog ein Gesprächsraum eröffnet, ohne Vorbehalt das in Worte zu fassen, was ihr für sich selbst wichtig ist.

 

WAHRNEHMUNG VON AUTONOMIE IST ANSTRENGEND UND DAZU SOLLEN MENSCHEN BEFÄHIGT WERDEN

Wie werden die Gesprächsbegleiter in den Heimen finanziert?
Kirsten Wolf antwortete, dass die Patientenverfügung, aber auch die einzeln zustande gekommenen Gespräche vergütet werden sollen. Zur Ausbildung der Gesprächsbegleiter gibt es für BVP abgestimmte Standards der deutschsprachigen ACP-Fachgesellschaften, die in die aktuellen Verhandlungen bzgl. der Finanzierung auf Bundesebene eingebracht wurden. Die Herausforderung für die Gesprächsbegleiter bestehe darin, den Heimbewohner mit seinem eigenen Willen und seiner Selbstbestimmung wahrzunehmen und im Beratungsprozess aus der eigenen, professionellen Rolle herauszutreten.

Wie werden Ehepartner und Angehörige einbezogen?
Das Angebot sei freiwillig. Sinnvoll und wünschenswert sei, wenn der- oder diejenigen, die als Vorsorgebevollmächtigte eingesetzt sind oder werden, in den Gesprächsprozess eingebunden sind. Das erste Gespräch mit dem Heimbewohner sollte zunächst alleine geführt werden.

Was kostet die Ausbildung zum Gesprächsbegleiter und was muss dokumentiert werden?
Da die Verhandlungen der Spitzenverbände auf Bundesebene noch nicht abgeschlossen sind, könnten noch keine endgültigen Aussagen über die Qualitätsanforderungen für die Ausbildung der Gesprächsbegleiter und auch nicht über die Kosten getroffen werden.

Für die Dokumentation gibt es einen Formularsatz für die Patientenverfügung, die Vorsorgevollmacht, die Betreuungsverfügung, die ärztlichen Anordnungen für den Notfall sowie für das Therapieziel. Dies gelte bei Einwilligungsunfähigkeit von unbestimmter Dauer und bei dauerhafter Einwilligungsunfähigkeit. Alle Bereiche sind mit ausführlichen Hinweisen und Kommentierungen versehen.

Weiterführende Links:
http://www.beizeitenbegleiten.de/materialien.html
http://www.palliativteam-frankfurt.de/
http://www.wuerdezentrum.de



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