FFA von  

Workshop 24.09.2014: Frankfurter Programm Würde im Alter – Statement Doris Pogantke

Workshop 24.09.2014: Frankfurter Programm Würde im Alter – Statement Doris Pogantke

Bild oben: Doris Pogantke, Leiterin Bürgermeister Menzer Haus

 

„Hilfe, die Hippies kommen“ – so lautete am 16. September 2014 die Überschrift in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die über eine „neue Klientel“ in den Alten- und Pflegeheimen insbesondere in der Stadt Frankfurt berichtete. Hippies mit ihrer Musik und „Pfeife“, 68er diskussionserprobte Revoluzzer – darauf sollen die zukünftigen Altenpflegerinnen und Altenpfleger in den Altenpflegeschulen vorbereitet werden.

Was sich in der Zeitung spannend und nett liest, stellt in der Realität die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen vor große Herausforderungen.

Die Bewohnerinnen und Bewohner in den Einrichtungen sind in den letzten Jahren noch vielfältiger und bunter geworden. Während bis vor einigen Jahren die massive Zunahme von Menschen mit Demenz die Einrichtungen zwang, ihre Konzepte zu überdenken und das städtische Programm Würde im Alter ihnen dabei half, neue und gute Konzepte umzusetzen, stehen wir heute von neuen Aufgaben.

Zum einen steigt die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner mit erheblichem Behandlungspflegeaufwand mit der Folge von hohen Anforderungen an Hygienemaßnahmen und medizinischen Kenntnissen.

Gleichzeitig finden sich immer mehr Menschen in den Einrichtungen mit psychischen und/oder Suchterkrankungen. Immer mehr Menschen kommen, die ihr Leben ohne feste soziale Bindungen gelebt haben – bis hin in den Bereich der Obdachlosigkeit. Menschen, die sehr selbstbestimmt und/oder unangepasst lebten – und die diese Lebensform auch mit in die Einrichtung bringen – einschließlich ihrer Suchtmittel bzw. der Sucht nach diesen.

Hier treffen nun diese selbstbestimmten und eigenwilligen Menschen, ausgestattet mit den von den Betreuungsrichtern immer wieder erneuerten Aussagen, über den hohen Stellenwert der Freiheitsrechte – die ich hier ausdrücklich unterstützen möchte – auf eine Einrichtung mit unzähligen Vorschriften und Notwendigkeiten – wie Anforderungen an Hygiene und Sicherheit für alle Bewohnerinnen und Bewohner aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Dass diese bunte Klientel nicht nur die Einrichtungen vor neue Aufgaben und Herausforderungen stellt, sondern auch den Rest der Gesellschaft, wurde anlässlich des Treffens des runden Tisches im Gesundheitsamt Frankfurt deutlich. Nachdem wir ein paar unserer Klienten im Rahmen von Fallbeispielen vorstellten, rief die Vertreterin der Polizei spontan: Das klingt ja wie im Irrenhaus. Es entspann sich eine intensive Diskussion, zwischen Polizei, Ordnungsamt, Betreuungsgericht, Gesundheitsamt, Altenhilfe und Frankfurter Forum. Eine Diskussion wurde hier begonnen und sie machte deutlich, dass die neue Klientel eine intensive Zusammenarbeit der Behörden und Einrichtungen und die Aufklärung der Gesellschaft notwendig macht. Neue Konzepte müssen daher in einem gesellschaftlichen Konsens entwickelt werden.



Mir gefällt dieser Artikel  


Kommentare sind geschlossen.